Blattjagd

Blatter für Bockjäger: Lockende Klänge

Rehbock wurde angelastet und steht auf Weg im Wald
– © Eike Mross

Text: Christian Schätze

Der Fachhandel bietet inzwischen mehrere Dutzend verschiedene Rehwildblatter an. Doch welcher ist der Richtige? Ein erfahrener Rehwildjäger erklärt, wie er zu seinem Favoriten kam.

Wer Blatter benutzt hat nicht nur mehr Anblick, sondern oft gelingt es mithilfe des Lockinstruments auch ausgesprochen heimliche Rehböcke vor den Hochsitz zu locken. Von ein paar Ausnahmeböcken abgesehen habe ich nicht nur die ältesten, sondern auch meine stärksten Böcke während der Brunft bzw. in der Blattzeit erlegt. Wann die Rehbrunft in die Blattzeit übergeht, darüber herrscht in Jägerkreisen Uneinigkeit. Nach mehr als 20 Jahren intensiver Rehwildjagd kann ich immer weniger eine klare Grenze ziehen. 

Zunächst glaubte ich den Aussagen der „alter Hasen“, dass es keinen Sinn machen würde, vor der ersten Augustwoche zum Blatter zu greifen, weil die Böcke nicht früher springen würden. Heute weiß ich, dass das falsch ist. Die meisten Brunftböcke habe ich nicht im August, sondern in der letzten Juliwoche erlegt. Der 26. Juli findet sich besonders häufig in meinem Jagdtagebuch! Man sollte also nicht zu lange mit dem Locken warten. Denn je nach Lage des Reviers, Geschlechterverhältnis und Witterung kann die Brunft Anfang oder Mitte August auch schon vorbei sein! Vor dem 20. Juli locke ich allerdings nicht; auch wenn es Jäger geben soll, die so früh Erfolg haben.

Rehbockgehörne liegen mit Blattern an einem Baum
Kapitale Böcke: Beim Blatten setzt Christian Schätze vor allem auf den Rottumtaler.

Meine ersten Blattjagderfahrungen habe ich übrigens mit dem Buttolo-Blatter gesammelt. Den hatte mir ein Jagdfreund geschenkt, weil er so einen „Quatsch“ in seinem Revier nicht bräuchte. Seinen Bock – mehr hat er pro Jahr tatsächlich auch nie gestreckt – würde er auch so bekommen. So ging sein „Gummiding“ in meinen Besitz über. Ich lockte mit dem Buttolo, was das Zeug hielt. Um Böcke zum Zustehen zu bewegen, muss man ja nur auf zwei Dinge achten: Zum einen dürfen die Töne nicht zu hoch sein. Und zum anderen darf man nicht zu halbherzig auf den Gummiball drücken. Denn dann entsteht ein jammerndes Geräusch. Statt des Rehbocks stehen dann höchstens flügge gewordene Bussarde oder Habichte zu. Das ist mir anfänglich tatsächlich mehrfach passiert. 

Erste Erfahrungen mit dem Buttolo

Weil ich mit den Ergebnissen nicht zufrieden war, besorgte ich mir schließlich den Buttolo Universal Mundblatter. Mit ihm konnte ich  recht schnell alle erdenklichen Laute des Rehwildes nachahmen. Statt der leicht zu „überredenden Jährlinge“ standen endelich auch ältere Böcke zu. Auf den Rat eines alten Weidmannes tauschte ich irgendwann die Metallspangen, welche die Stimmblätter fixieren, gegen Silikongummis aus. Seiner Theorie zufolge würden die Töne dadurch weicher klingen. Ich konnte zwar keinen Unterschied feststellen, blieb aber dabei, weil ich mit dem „verbesserten“ Locker meinen Lebensbock (8 Jahre, 826 g brutto) überlisten konnte. Leider habe ich meinen Buttolo-Glücksbringer irgendwann verloren. Ein Neuer musste her!

Nach vielen Versuchen mit diversen Modellen aus aller Herren Länder, blieb ich beim Rottumtaler Rehwildlocker von Klaus Demmel hängen. Vom Prinzip her funktioniert er wie der Mundblatter, ist aber aus Rehgehörn gefertigt. Obwohl das Modell nur eine Stimmzunge besitzt, lassen sich damit dieselben Laute erzeugen wie mit dem Universal Mundblatter (2 Stimmzungen). Aufgrund seiner Bauweise machen ihm auch Staub und Fechtigkeit kaum etwas aus. Wenn doch mal was klemmt, einfach ausspülen, kräftig schütteln und es kann weitergehen. Besonders mag ich an ihm, dass man mit ihm richtig Alarm machen kann. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Platzböcke vor allem aufs Angstgeschrei beziehungsweise beim Eifersuchtsblatten zustehen. Kein Wunder, wird ihnen dabei doch vorgegaukelt, dass ein Nebenbuhler ein weibliches Stück bedrängt. Und wer lässt sich das in seinem Revier schon gefallen? 

Hin und wieder stehen sogar Schwarzkittel

Um zu sehen, ob auch Sibirische Rehböcke aufs Blatt springen, habe ich den Rottumtaler vor einigen Jahren in Kurgan (Russland) eingesetzt. Die Böcke (Brunft: Mitte August bis Mitte September) standen darauf genauso zu wie solche im heimischen Revier. Das ist bemerkenswert, denn die Sibirier sind körperlich ein ganz anderes Kaliber. Aufgebrochen brachten sie 32 - 38 kg auf die Waage! Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man mithilfe von Blattern (Kitzfiep) auch Raubwild anlocken kann – vor allem Füchse. Hin und wieder stehen sogar Schwarzkittel zu.

Auf diese Blatter setzt das unsere Jagd-Team

Rehgehörn liegt neben Faulhaber Blattern
Die Faulhaber-Rehblattergarnitur besteht aus hochwertigem witterungsbeständigem Kunststoff.

Faulhaber Rehblattergarnitur

Die lindgrüne Rehblattergarnitur (62,42 Euro) von Faulhaber, Österreichs Traditionshersteller für Wildlockinstrumente seit 1916, sticht in meiner kleinen Lockersammlung schon rein optisch hervor. „In der Anfangszeit um 1930 wurden die Instrumente noch aus Holz gefertigt, in den 1960er-Jahren stieg man auf Kunststoff um“, schreibt Siegfried Erker in seinem Standardwerk „Locken!“ (Melsungen 2017).

Platzsparend vereint eine Kunststoff-Steckbox in sich den Kitznotruf, Schmalrehlockfiep, Sprengfiep und Geschrei (die zwei letzteren mit Ventil zum Tonhöhenwechsel in den „Arien“). Die vier werden quasi allen Blattjagdsituationen rund ums Rehwild gerecht. Ihr Klang ist ausgereift. Die vorgestimmten Instrumente sind in der Hand musikalisch weniger geübter Jäger unbestreitbar von Vorteil. Da kann man außer eigenen jagdtaktischen Fehlern eigentlich nichts falsch machen. Und man muss sich nicht wie bei manch anderen Blattjagdinstrumenten an modulierbaren Stimmzungen versuchen (diese bieten zwar den Vorteil, alle Lautäußerungen vom Kitzfiep bis zum Geschrei in einem Gerät parat zu haben, die virtuosen Nuancen wollen aber durch intensives Üben per Lippen- bzw. Fingereinsatz beherrscht sein).

Zwar ist die Steckbox platzsparend, doch erfordern die vier Instrumente eine vorgegebene Packordnung (die beiden kleinen übereinander). Wehe, man bräuchte mal schnell den unten steckenden Kitznotruf. Ich platziere darum je einen kleinen und großen Blatter in die krümel- und fusselfreien Brustaußentaschen in meiner Jagdweste.

Leider fehlen Ösen an den Instrumenten, um sie per Kordel umzuhängen. Es gibt auch eine Garnitur im Luxus-Etui mit Klappdeckel (68,25 Euro; für die Ansitzauflage etc.) mit besserer Zugriffsmöglichkeit. Inzwischen bietet Faulhaber zudem einen Altgeiß-Fiepblatter (13,25 Euro) an und einen Schwarzwildlocker (13,25 Euro), der mittels sanften Kitzfieps Sauen auf Fraß hoffen lässt – das funktioniert prima. So holt man sich z.B. Ende Mai, aber auch auf der Blattjagd den weit im Feld gesichteten Zufallskeiler heran. (Hartmut Syskowski)

Jäger bläst in einen Blatter
Autor Thomas Bock mit seinem skandinavischen Blatter „Nordik Roe“.

Rehblatter von Nordik Roe

Wie der Name schon sagt, hat die Blattjagd ja eigentlich etwas mit Blättern zu tun. Genau gesagt mit einem Buchenblatt. Mein Großvater hat mir schon als Kind beigebracht, wie so ein Blatt zwischen den Fingern zu halten ist und welche Töne sich aus diesem „Lockinstrument“ herauskitzeln lassen.

Mittlerweile liegen mehr Tage hinter als vor mir, und ich benötige keine Hilfsmittel mehr. Inzwischen kann ich allein mit den Lippen die Fiep-Töne des Rehwildes nachahmen. So war es mehr oder weniger auch Zufall, dass der Nordik-Roe-Blatter meiner Frau in der Jagdjacke landete. Während eines Abendansitz im vergangenen Jahr, wo mir etliche Spaziergänger und Jogger fast den Abend verdorben hätten, fand ich die ungewöhnliche skandinavische Quäke zusammen mit dem Mückenmittel in der Tasche. Experimentierfreudig wie ich nun mal bin, habe ich dann kräftig reingetrötet. Der Ton war überraschend laut und klang recht unnatürlich in meinen Ohren. Ehrlich gesagt, habe ich den Nordischen Blatter gleich kopfschüttelnd im Rucksack versenkt. Doch, oh Wunder: ein paar Augenblicke später stand ein strammer Sechser vor der Kanzel, den ich auch gleich verhaftet habe.

Seitdem ist der Nordik-Roe-Blatter der Meine. Vielleicht ist es doch hin und wieder gut, mal etwas Neues auszuprobieren und nicht nur aufs Altbewährte zu vertrauen. Eventuell hat sich ja auch in der Tierwelt etwas geändert, und die lauteren Töne sind nun angesagter als die leisen. Wer weiß schon, wie die Rehe ticken? Den Locker gibt es übrigens bei Frankonia zum Preis von 32,95 Euro. Das aus Kunststoff gefertigte Instrument lässt sich im Klang regulieren und gibt klare Töne von sich. Für mich ist er eine echte Geheimwaffe, wenn man im Alltagsgetöse trotzdem noch Jagderfolg haben will. (Thomas Bock)

Vier Blatter liegen auf einem erlegten Rehbock
Der Bock konnte der Vielfalt an Blattern nicht widerstehen.

Blatter-Quartett

Von manchen Dingen kann man nie genug haben – so ist es bei mir auch bei Lockern, insbesondere mit Blattern. Da ich mich häufig erst am Blattstand entscheide, welcher Blatter zum Einsatz kommt, führe ich in der Regel gleich mehrere mit mir.

Immer wieder kommt es dann auch vor, dass ich nach den ersten Tönen doch noch das Modell wechsle. Häufig ist das zwar – wie so vieles bei der Blattjagd – reine Gefühlssache, allerdings haben die einzelnen Blatter auch hörbare bzw. praktische Unterschiede, die mich zu dieser Entscheidung bringen.

Der von mir genutzte Rottumtaler Rehblatter (44,99 Euro) kommt genauso wie der nicht mehr hergestellte Reitmayr Universal-Blatter wegen seiner vergleichsweise geringen Lautstärke eher in einstandsnahen Bereichen im Wald zum Einsatz – also dort, wo der Bock eher langsam springen soll, um genug Zeit zum Ansprechen und Schießen zu haben. Schließlich habe ich wenig davon, wenn der Bock im Schutz von Dunkelbrücken und Bewuchs quasi in den Blattstand springt.

Anders verhält es sich in sehr deckungsarmen Waldbeständen oder im Feldteil des Reviers. Dort kann es meiner Meinung nach nicht laut genug sein. Deshalb kommen an solchen Plätzen der Buttolo Mundblatter (23,95 Euro) und der Rehblatter der Lockschmiede (39,49 Euro) zum Einsatz. Was meine Entscheidung zusätzlich beeinflusst? Ob ich mir den Blatter um den Hals hängen kann, wie es beim Rottumtaler der Fall ist oder ich ihn in der Hand halten muss. Stehe ich ungedeckt an einem Baum, kann ich den Blatter mit Band nämlich einfach aus dem Mund fallen lassen. Einfacher geht es nicht. (Rasso Walch)

Jägerin mit einem Blatter in der Hand
Beim Blatten vertraut Stefanie Wagner dem Buttolo-Blatter.

Buttolo-Blatter

Gleich im ersten Jagdjahr hatte ich mir den Buttolo-Blatter zugelegt. Die Entscheidung war damals eher pragmatisch. „Was kann man beim Drücken auf den schwarzen Gummiball schon falsch machen?“, war mein Gedanke. Doch ich hatte im Revier damit einfach keinen Erfolg. Stattdessen machte ich mit einem einfachen Grashalm zwei Jährlinge auf mich aufmerksam. Warum diese auf den Blatter nicht reagierten, wurde mir später von einem erfahrenen Jagdkollegen erklärt. Der Grund: Der Reh-Blatter war ab Werk viel zu hoch eingestellt – er klang eher nach einem Kitz oder Schmalreh.

Um das zu ändern, drehten wir an der Messingschraube, wodurch die Tonlage deutlich tiefer wurde. Diese versteckt sich unter der drehbaren Gummikugel. Wie bei allen anderen Blattern gilt auch hier: Übung macht den Meister! Einfach nur drücken, so leicht war es dann doch nicht.

Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl für die Druckintensität mit dem Daumen und die zeitliche Abfolge der Fieplaute. Obwohl einige Laute für meine Ohren gewöhnungsbedürftig klangen, die Böcke standen tatsächlich darauf zu. So konnte ich Mitte August den ein oder anderen Bock auf mich aufmerksam machen und jagdlichen Erfolg verbuchen. Ich bin mit dem Buttolo-Blatter wirklich zufrieden. Für den Ansitz ist er perfekt und für jeden Jäger mit ein bisschen Übung zu beherrschen. Zudem gehört er mit knapp 29 Euro eher zu den preisgünstigen Rehblattern.

Zum Schluss noch ein paar Schwächen: Man kann in einigen Situationen (z.B. auf der Pirsch) nicht schnell genug reagieren, weil man die Hände nicht frei hat. Bei großer Hitze verändert sich der Ton, sodass man korrigieren muss. Direkte Sonneneinstrahlung macht über die Jahre den Kunststoff brüchig. Ich bewahre ihn deshalb im Jagdschrank oder in einem Schubfach auf. (Stefanie Wagner)

Unsere Jagd digitale Ausgabe
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