Tipps für Rehwildjäger

Blattjagd-ABC: Darauf sollten Sie achten

Der Traum eines jeden Rehwildjägers: ein kapitaler Erntebock.
Der Traum eines jeden Rehwildjägers: ein kapitaler Erntebock. – © Eike Mross

Text: Christian Schätze

Die Brunft ist zweifellos der Höhepunkt im Rehwildrevier. Denn sie steckt voller Überraschungen. Von allein springen einem die Rehböcke allerdings nicht vor den Sitz. Ein Rehwildkenner verrät, worauf Sie beim Blatten achten sollten.

Ansprechen: Brunftböcke richtig anzusprechen, ist nicht leicht. Denn sie sind fast immer in Bewegung. Neben dem ersten Eindruck, der fast immer richtig ist, sollte der Jäger aufs Haupt schauen. Dabei aber nicht von den Stangen täuschen lassen! Auch 3-Jährige können kapital sein. Reife Böcke (6-7 Jahre und älter) besitzen richtige Charakterköpfe (kurz und dick). Überalterte Böcke (8 Jahre plus) bilden eine Ausnahme! Körperlich bereits abgebaut, ähneln sie oft Jährlingen. Die flachen, optisch zur Seite gerutschten Rosenstöcke und der knochige Körper  sind sichere Altersmerkmale.

Bestätigen: Wer oft im Revier ist und die Augen offen hält, der weiß, wo „seine“ Böcke stehen. Am besten gelingt es, sie zu bestätigen, wenn der Rehwildjäger ab Februar/März die im Sprung stehenden Stücke fotografiert. Wildkameras (Plätz- und Fegestellen, Wechsel, Salzlecken) leisten ebenfalls wertvolle Dienste.

Camouflage:  Die Kleidung muss zum Umfeld passen. Das gilt vor allem für die Blattjagd. Dabei müssen es nicht immer die modernsten Tarnmuster sein. Wichtiger als eine Hose in Max-4, APG-Green oder Pixel-Muster sind Tarnjacke, Mückenschleier und Handschuhe. Sich bewegende Hände und Gesicht erkennt das Wild sofort.

Gerüstet: Rottumtaler Rehwildblatter, Handschuhe und aktiver Gehörschutz.
Gerüstet: Rottumtaler Rehwildblatter, Handschuhe und aktiver Gehörschutz.

Decke: Beim Ansprechen oder der Suche nach „alten Bekannten“ kann es hilfreich sein, auf die Deckenfarbe zu achten. Neben knallroten Stücken ziehen oft auch semmelgelbe Böcke im Revier ihre Fährten. Sehr selten aber immer möglich sind weiße, gescheckte und schwarze Stücke. Die Decke kann einem auch helfen, einen Bock besser einzuschätzen. Schlägt sie am Träger Falten, handelt es sich in der Regel um ein besseres (älteres) Stück. 

Eifersuchtsblatten: Bei dieser Form des Blattens macht man sich die Territorialität des Platzbockes zunutze. Mit dem Rickenfiep startend, steigert man sich bis zum Sprengfiep und lässt hin und wieder den Kitzfiep ertönen. Das Ziel ist es, dem Bock vorzuspielen, dass die Ricke von einem Rivalen bedrängt wird und das Kitz dabei zwischen die Fronten gerät. Das „Theater“ bringt auch den vorsichtigsten Bock auf die Läufe. 

Fernglas: In der Regel ist es nicht nötig, ein Doppelglas zu benutzen. Manchmal verhindert dessen Einsatz sogar den Jagderfolg, weil man wertvolle Zeit verliert. Besser ist es, gleich durchs Zielfernrohr anzusprechen. Das sollte im Idealfall variabel (z.B. 2-12×50) sein. Tipp: Die Vergrößerung zunächst immer niedrig einstellen.

Gewitter: Nach Blitz und Donner muss der Rehwildjäger einfach raus. Denn die Abkühlung bringt meistens Schwung in die Brunft. Die Rehe verlassen dann ihre dichten  bzw. tropfenden Einstände. Kleine Waldwiesen und Weiden an Maisschlägen sind oft besonders heiße Adressen.

Gewitter und kurze Regenschauer bringen die Rehe auf die Läufe.
Gewitter und kurze Regenschauer bringen die Rehe auf die Läufe.

Hochsitz: Immer wieder wird behauptet, dass man vom Hochsitz nicht blatten könne, weil die Rehe den Schwindel sofort bemerken würden. Das ist natürlich Unsinn! Vom Hochsitz hat der Jäger eine deutlich bessere Sicht und Kugelfang. Der Vorteil von (transportablen)  Schirmen ist, dass man flexibler ist und „unberührte“ Stellen ansteuern kann. 

Insekten: Sie rauben dem Jäger den letzten Nerv: Insekten. Vor allem die Mücken. In der Nähe von Wassergräben, Teichen oder im Bruch muss unbedingt ein Insektenschutz benutzt werden. Bewährt haben sich Mückenschleier (tarnt auch gleich das helle Gesicht) und Mückenspray (Autan). Auch elektrische Geräte (ThermaCell) werden immer beliebter. Das Schlimmste ist, wenn man ständig nach Blutsaugern schlagen muss. Das halten weder Bock noch Jäger aus.

Jährlinge: Zustehende Jährlinge sind im ersten Moment eine Enttäuschung, wenn man auf den reifen Bock hofft. Aber oft entpuppen sie sich als Geschenk. Denn nichts macht einen Platzbock „fuchsiger“ als ein anderer, der auf der Suche nach brunftigen Ricken ist. Manchmal kommt es vor, dass der vorsichtige Platzbock erst beim Anblick des frechen Jünglings seine Deckung verlässt. 

Kugel: Welches Kaliber verwendet wird, hängt von den örtlichen Gegebenheiten und der persönlichen Vorliebe ab. Im Feldrevier werden .222 Rem., .22-250 Rem. oder .243 Win. genügen. Waldjäger greifen sicher eher zur .308 Win. oder 8×57 IRS. 

Lautstärke: Beim Blatten sollte der Jäger die ersten Strophen verhalten spielen und die Töne gegebenenfalls mit der Hand dämpfen. Springt kein Bock, kann man die Intensität nach und nach steigern. Platzböcke springen oft erst, wenn man richtig Alarm macht. Angstgeschrei ist dann das Mittel der Wahl.

Mittagsstunden: Das Schöne an der Rehbrunft ist, dass man den ganzen Tag über jagen kann – also auch in den Mittagsstunden. Hat es kurz zuvor geregnet, kann kaum noch etwas schief gehen. Springt kein Bock, einfach eine Pause machen und es zwei Stunden später noch mal probieren.

Nasenfleck: Der Nasenfleck ist Zeichen eines jungen bis mittelalten Bockes. Bei Jährlingen (buntes Gesicht) sucht man ihn in der Regel vergebens. Bei 2-3 Jahre alten Böcken zeichnet er sich gut ab, um die folgenden Jahre langsam zu verschwinden. Das kontrastreiche Gesicht wird nach und nach grauer, das Haupt breiter. Wirklich alte Böcke erkennt man sofort. Wenn man lange gucken muss, handelt es sich meistens um einen Mittelalten.

Orbita: Eines der sichersten Altersmerkmale sind Gesicht und Blick. Klingt komisch, ist aber so: Den „bösen Blick“ gibt es tatsächlich. Böse darf man dabei aber nicht zu wörtlich nehmen. Doch alte Böcke äugen anders aus der Decke als Jungspunde. Die stärker gewordenen Wülste um die Lichter sorgt für den mürrischen Blick. Neugier ist dem Argwohn bzw. der Vorsicht gewichen. Ernteböcke sind nicht umsonst so alt geworden. 

Der Brunftbock steht aufs Blatten zu: Darauf hat der Jäger gewartet.
Der Brunftbock steht aufs Blatten zu: Darauf hat der Jäger gewartet.

Plätzstellen: Sie sind ein sicherer Hinweis auf die Anwesenheit eines Bockes. Wer eine Plätzstelle findet, sollte sich vorsichtig umschauen und nach weiteren suchen. So bekommt man schnell ein Bild vom Territorium des Revierinhabers. Treten Plätzstellen in sehr hoher Dichte auf, handelt es sich in der Regel um einen jungen (ungestümen) Jüngling. Er möchte allen zeigen, dass er der Größte ist. Alte (heimliche) Herren begnügen sich oft mit wenigen, eher unscheinbaren Stellen. Im Gegensatz zu jungen und mittelalten Böcken scheinen diese aber kräftigere Bäumchen zu bevorzugen.

Quadratkilometer: Auch wenn sich Böcke, Ruhe und Äsung vorausgesetzt, zum Teil mit sehr kleinen Revieren begnügen, unternehmen sie zum Teil ausgedehnte Wanderungen. Interessant ist, dass auch Ricken sehr weit ziehen, um sich beschlagen zu lassen. Der Wandertrieb sorgt dafür, dass plötzlich Böcke im Revier auftauchen oder aufs Blatt springen, die noch nie zuvor gesehen wurden. Das ist das Spannende an der Rehbrunft.

Er hat den Jäger bemerkt und springt in hohen Sätzen ab
Er hat den Jäger bemerkt und springt in hohen Sätzen ab.

Rottumtaler Rehwildblatter: Er gehört zu den beliebtesten Lockinstrumenten in Deutschland. Kein Wunder, denn der Locker sieht nicht nur gut aus, sondern funktioniert auch ganz hervorragend. Vom zarten Kitzfiep bis zum kräftigen Geschrei lassen sich damit alle Laute nachahmen. Sehr gut geeignet ist auch der Buttolo Mundblatter. 

Schmalrehe/Ricke: Wann die Böcke die weiblichen Stücke zu treiben beginnen bzw. beschlagen, hängt vom Setztermin ab. So haben Wildbiologen herausgefunden, dass bei Ricken der Eisprung 60-64 Tage nach dem Setzakt stattfindet. Wie spät Ricken setzen, hängt nicht nur von ihrer körperlichen Verfassung ab, sondern auch vom Wetter. Sind die Witterungsbedingungen ungünstig, können sie den Termin ein wenig verzögern. Haben die Ricken spät gesetzt, kann sich die Brunft bis Mitte August ziehen.   

Treiben: Beim Treiben entstehen im Feldrevier aber auch im Forst sogenannte Hexenringe. Wer so einen (frischen) Ring findet, muss nicht lange auf die Hochzeitsgesellschaft warten. Treibt der Bock die Ricke sogar gerade  im Kreis, kann man die beiden vorsichtig anpirschen. Wenn das nicht möglich ist, führt der Weg zum Weidmannsheil immer über die Ricke. Der Kitzfiep ist dann das Mittel der Wahl. Springt sie, wird ihr der Bock folgen.

Utensilien: All zu viel Ausrüstung braucht man beim Blatten nicht: Tarnbekleidung, Waffe samt Munition, Blatter – fertig. Wer pirschen möchte, sollte einen Zielstock (Drei- oder Vierbein) und/oder einen Sitzrucksack mitnehmen. Und natürlich: das Messer. Der Rest kann getrost im Auto bleiben. Morgens kann ein Wärmebildgerät nützlich sein, um nicht in die Hochzeit hineinzuplatzen.

Unbekannter „Wanderbock“, der auf der Weizenstoppel zur Strecke kam
Unbekannter „Wanderbock“, der auf der Weizenstoppel zur Strecke kam.

Vollmond: Der volle Mond macht dem Rehwildjäger das Leben schwer. Ist es tagsüber zudem sehr heiß, verlagert das Rehwild sein Treiben in die Nachtstunden. Im Mondschein kann der Jäger das Treiben zwar verfolgen, ihm sind jedoch die Hände gebunden. Und das ist auch gut so. Erfolg bringen die sehr frühen Morgen- und sehr späten Abendstunden.

Wetter: Wärme fördert die Brunft, Hitze lähmt sie. Steigen die Temperaturen über 30 Grad Celsius, verlagert das Rehwild die Aktivität auf die späten Abendstunden und die frühen Morgenstunden. Aber auch nachts kann man die Rehe dann beim Treiben sehen. Große Temperaturschwankungen wirken sich immer negativ aus. Dann ist Geduld gefragt.

X-Gurt: Wer beim Blatten nicht auf sein Fernglas (8×32 oder 10×42) verzichten möchte, sollten einen speziellen Tragegurt benutzen, der das Pirschglas eng am Körper hält. Lässt man das Glas los, wird es an die Brust gezogen. So verhindert man, dass sich Blatter und Fernglas verwickeln. Auch beim Pirschen ist es deutlich angenehmer, wenn das Glas nicht bei jedem Schritt hin und her schwingt. 

Y-Chromosom: Früher war es üblich, die starken Böcke erst nach der Brunft zu erlegen. Als Grund wurde genannt, dass die sich erst vererben müssten. Es spricht nichts dagegen, sich in Enthaltsamkeit zu üben. „Aufarten“ kann man den Rehwildbestand so aber nicht. Wer starkes Rehwild im Revier haben möchte, sollte für einen angepassten Wildbestand und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis (1:1) sorgen. Dann kommen die starken Böcke von ganz allein, wenn man sie alt werden lässt.

Zahnabschliff: Um das Alter eines Bockes zu bestimmen, schauen die meisten Jäger noch immer in den Äser und begutachten den Zahnabschliff. Das ist in Ordnung. Zu genau darf man das aber nicht nehmen. Die Fehlerquote ist schon sehr hoch. Dreijährige können den Abschliff eines Sechsjährigen aufweisen und umgekehrt. Wer das genaue Alter des Stückes erfahren möchte, sollte das per Zahnzementzonenmethode ermitteln lassen. 

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