Strahlende Hausmittel

Trophäen präparieren: So klappt es mit dem Bleichen

Ein-präparierter-Rehbockschädel
– © Christian Schätze

Text: Christian Schätze

Die Blattzeit ist vorüber. Und wer zur rechten Zeit am rechten Ort war, hat vielleicht sogar seinen Lebensbock geschossen. Nun soll die Trophäe präpariert werden. Wie das auch ohne 30-prozentiges Wasserstoffperoxid geht, erklärt ein erfahrener Bockjäger.

Wasserstoffperoxidlösung (H2O2) gehört bei Jägern und Präparatoren zu den beliebtesten Bleichmitteln. Kein Wunder, denn die 30-prozentige Lösung macht mit organischem Gewebe kurzen ­Prozess und lässt Knochen schneeweiß erstrahlen. Doch das soll nun ­vorbei sein: Grund ist die Ende Januar in Kraft getretene Chemikalienverbotsverordnung, die es ­Apothekern verbietet, die 30-prozentige Lösung an Privatpersonen abzugeben. Zuvor konnten Jäger die Flüssigkeit relativ einfach ­erwerben. Mehr als die Vorlage des Jagdscheins und der ­Erklärung, dass das Mittel fürs ­Bleichen von Trophäen benötigt würde, bedurfte es nicht. 

Der Grund für das Verbot: Wasserstoffperoxid kann missbräuchlich für die Herstellung von Triacetontriperoxid (TATP) verwendet werden. Dabei handelt es sich um Sprengstoff, der mit entsprechenden chemischen Kenntnissen oder Google in ­jeder ­Garage hergestellt ­werden kann. Viele werden sich noch gut an die Schlagzeilen erinnern, als im Hochsauerland drei ­Terroristen festgenommen ­wurden, die 700 Kilogramm hochprozentiges ­Wasserstoffperoxid für den Bombenbau beschafft hatten. Mit der Herstellung einer ­Wasserstoffbombe, wie manche „Experten“ mutmaßten, hat das jedoch herzlich wenig zu tun.

Bleichmittel-in-der-Übersicht
Verschiedene Hausmittel könnten man zum Bleichen verwenden – doch wie schlagen sie sich tatsächlich?

Teures Blondiermittel vom Friseur

Also alles aus und vorbei? Nein, denn neben 12-prozentigem Wasserstoffperoxid, das weiterhin in der Apotheke und im Internet verkauft werden darf, stehen uns Jägern zahlreiche andere Bleichmittel zur Verfügung. Versuche mit Blondiercreme vom Friseur kann man sich jedoch getrost sparen. Denn der Gehalt an Wasserstoffperoxid ist so gering, dass 12-prozentiges H2O2 in jeder Hinsicht überlegen ist! Um das zu verdeutlichen, genügt ein einfacher ­Versuch: Bestreichen Sie ­Rehhaar oder ein Stück Wildbret mit Blondiercreme und die zweite Probe mit dem bewehrten Bleichmittel (12 Prozent). Das Ergebnis lässt keine ­Fragen bezüglich der Stärke der beiden Substanzen offen. 

Fazit

Da Blondiermittel nur drei bis zwölf ­Prozent Bleichmittel enthalten, kommen sie nicht an Wasserstoffperoxidlösung (12 Prozent) aus der Apotheke heran. Auch bezüglich des Preises (145 ml Blondiercreme gibt es ab 5,99 Euro) bleibt das beliebte Bleichmittel konkurrenzlos. Lieber das Geld sparen und der werten Gattin den nächsten Friseurbesuch sponsern.

Hausmittel aus der Drogerie

Auch Haushaltsreiniger wie Domestos oder DanKlorix können es nicht mit dem bewährten Bleichmittelaufnehmen. Zudem schaden sie unter Umständen der ­Umwelt. Und zu dicht sollte man wegen des ­enthaltenen Chlors (Bleichmittel) mit der Nase auch nicht an die Flasche gehen. Der größte Nachteil ist jedoch, dass in sämtlichen Sanitärreinigern ätzende Kalklöser (Natriumcarbonat) enthalten sind. Schließlich sind die meisten Verunreinigungen in Bad und WC auf Kalk zurück­zuführen. Die Reiniger ­sollen genau diesen lösen und greifen daher stark die Knochensubstanz an.

Fazit

Finger weg von Bad- und WC-Reinigern! Außer Man(n) möchte zu Hause beim Putzen ein paar Pluspunkte sammeln. Auch bei Waschpulver ist Vorsicht geboten. Die meisten Mittel ­entfernen nicht nur Fett, ­sondern ­zerstören auch die Knochensubstanz. ­Aufwendige Reparaturen sind die Folge.

Silberteller-mit-Gehörn
Je besser der Schädel entfettet wurde, desto heller wird er beim Bleichen.

Bleichmittel vom Fachhändler

Neben den beschriebenen Haushaltsmitteln bietet der Fachhandel entsprechende Produkt an, um Trophäen zu bleichen. So ist beispielsweise von ­Ballistol „Trophäenbleiche“ (250 ml; Preis: 7,99 Euro) erhältlich. Um den Wildschädel damit zu behandeln, muss ­zunächst das Pulver in Wasser angerührt werden. Danach soll der Schädelknochen in der Lösung langsam zum Sieden gebracht werden. Anschließend den ­Schädel 15 Stunden in der Flüssigkeit ruhen lassen, abspülen und ggf. den Vorgang wiederholen. 

Dann wäre da noch die Trophäenpaste ­„Trofi-BP“ von Tyrchen. Diese muss zwar nicht erst angerührt werden, aber 8,99 Euro für 150 Gramm Inhalt sind recht „sportlich“.

Fazit

Das Bleichen mit den Fertigmischungen ist zum Teil aufwendig und unterm Strich auch zu teuer. Zudem kommt keins der Mittel an die Leistung von 12-prozentigem H2O2 heran. Was kaum verwundert, denn auch in ­Mischungen darf der Anteil des starken Bleichmittels nur maximal zwölf ­Prozent betragen.

Der Preis für die Profibleiche ist heiss

Für den Preis der beschriebenen Produkte erhält der Jäger 1000 Milliliter Wasserstoffperoxid! Zehn ­Liter (11,9 Prozent) sind bei Amazon für 23,60 Euro zu haben. Das reicht für den ganzen Hegering. Auch wenn es schade ist, 30-prozentiges H2O2 nicht mehr erwerben zu dürfen, so lassen sich mit der schwächeren Lösung doch ohne Probleme Gehörne präparieren.

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